Digitale Transformation im Gesundheitswesen: 7 Hypothesen, die unsere Versorgung verändern könnten

Die Digitalisierung verändert viele Bereiche unseres Lebens – auch die Gesundheitswirtschaft bleibt davon nicht unberührt. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Datenanalysen und neue Kommunikationssysteme eröffnen zahlreiche Möglichkeiten, den Alltag von Patientinnen und Patienten sowie medizinischem Personal zu erleichtern.

In seinem Vortrag auf unserer Veranstaltung „KI im Gesundheitswesen“ stellte PD Dr. med. Christian Elsner, PwC Deutschland, sieben zentrale Hypothesen vor, die zeigen, wie sich die Gesundheitswirtschaft künftig weiterentwickeln könnte. Dieser Beitrag fasst die Kernideen leicht verständlich zusammen, beleuchtet verschiedene Perspektiven und gibt Einblicke in die anschließende Diskussion.

Die 7 Hypothesen – Überblick und Erklärung  

Hypothese 1: KI-Systeme und neue Technologien verändern die Interaktion mit Technologie

  • Kernpunkt: Fortschrittliche Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), 5G und multimodale Systeme schaffen eine völlig neue Art der Interaktion mit technischen Systemen.

  • Erklärung: Systeme, die bisher nur als Werkzeuge dienten, werden immer intelligenter und flexibler. Ein Krankenhaus-Informationssystem (KIS) oder ein Labor-Informationssystem (LIS) könnten künftig nicht nur Daten verwalten, sondern aktiv Entscheidungen unterstützen.

  • Beispiel: KI-basierte Systeme könnten medizinische Daten direkt analysieren und automatisch Hinweise für die Behandlung geben, wodurch Ärztinnen und Ärzte entlastet werden.

Hypothese 2: Mensch-Maschine-Interaktion wird radikal erweitert

  • Kernpunkt: Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine wird sich tiefgreifend verändern und neue Möglichkeiten schaffen – auch in sensiblen Bereichen wie der Patientenkommunikation.

  • Erklärung: Technologien werden so entwickelt, dass sie empathischer wirken und in Bereichen unterstützen können, die heute noch den Menschen vorbehalten sind. Gleichzeitig bleibt es den Menschen überlassen, zu entscheiden, wo Maschinen helfen sollen und wo nicht.

  • Perspektive: Etwa bei der Patientenaufnahme könnte ein KI-System die Anamnese abfragen, während das medizinische Personal sich stärker auf den persönlichen Kontakt konzentriert.

Hypothese 3: Medizinische Triage und Kostenfaktoren ändern sich

  • Kernpunkt: Die Reihenfolge und Art der Diagnosestellungen werden sich ändern. Während heute oft die Diagnosestellung durch Ärztinnen und Ärzte den Startpunkt bildet, wird die Vordiagnostik durch Maschinen an Bedeutung gewinnen.

  • Erklärung: Künftig könnten Geräte Daten autonom erfassen, bevor die Ärztin oder der Arzt überhaupt ins Spiel kommt. Das reduziert Kosten und entlastet Fachkräfte.

  • Beispiel: Ein tragbares Gerät misst den Blutdruck oder EKG-Daten und sendet sie an eine KI. Diese analysiert die Daten und entscheidet, wann ein Arzt hinzugezogen werden muss.

Hypothese 4: Diagnostik wird digital und personalisiert

  • Kernpunkt: Diagnostische Tests werden nicht nur umfangreicher, sondern bekommen auch eine digitale Komponente. Digitale Parameter ergänzen klassische biomedizinische Marker.

  • Erklärung: KI und digitale Tools könnten komplexe Diagnosen unterstützen, die mit traditionellen Methoden nicht möglich wären.

  • Beispiel: Mithilfe einer Kamera könnten etwa rheumatische Erkrankungen erkannt werden, oder der Blutzucker- und Blutdruckwert könnten kontaktlos gemessen werden.

Hypothese 5: Omics und Big Data verbessern die Präzision von Diagnosen

  • Kernpunkt: Die Analyse großer Datenmengen – kombiniert mit genetischen und molekularen Daten (Omics) – wird Diagnosen präziser und aussagekräftiger machen.

  • Erklärung: Durch Algorithmen werden nicht nur Krankheiten erkannt, sondern auch Vorhersagen über Krankheitsverläufe oder Therapieerfolge getroffen.

  • Beispiel: Herzinfarkte könnten durch die Analyse von EKG-Daten vorhergesagt werden. Ebenso wäre es möglich, die Wirksamkeit eines Medikaments schon vor der Einnahme zu beurteilen.

Hypothese 6: Medikamente werden personalisiert und patientenspezifisch

  • Kernpunkt: Die Entwicklung von Medikamenten wird patientenspezifisch erfolgen, abgestimmt auf die individuellen genetischen und medizinischen Voraussetzungen.

  • Erklärung: Technologien wie KI könnten helfen, maßgeschneiderte Therapien direkt am Krankenbett zu entwickeln.

  • Beispiel: Anhand der genetischen Daten einer Patientin könnte ein Medikament entwickelt werden, das genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist – von der Dosierung bis hin zur Zusammensetzung.

Hypothese 7: Fortschritt durch Zusammenarbeit von Industrie und Nutzern

  • Kernpunkt: Die Entwicklung neuer Ansätze geschieht durch Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren – Unternehmen, Forschende und Nutzende.

  • Erklärung: Nur durch diesen Austausch entstehen Lösungen, die in der Praxis funktionieren und breite Akzeptanz finden.

  • Perspektive: Kliniken und Unternehmen könnten gemeinsam digitale Lösungen entwickeln, die auf die Bedürfnisse des medizinischen Personals und der Patienten zugeschnitten sind.

Perspektiven auf den digitalen Wandel 

Chancen durch digitale Technologien

Eine der größten Chancen des digitalen Wandels liegt in der verbesserten Diagnostik. Dank moderner Technologien können Krankheiten nicht nur schneller erkannt, sondern auch präziser behandelt werden. KI-gestützte Systeme könnten beispielsweise genetische Daten mit Informationen über den Lebensstil kombinieren, um individuelle Therapien zu entwickeln. Dies würde die Behandlungsqualität erheblich steigern und die Genesungschancen vieler Patientinnen und Patienten erhöhen.

Entlastung medizinischer Fachkräfte

Ein weiterer Vorteil ist die Entlastung von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften. Der Alltag im Gesundheitswesen ist oft geprägt von hohem Zeitdruck und wiederkehrenden Aufgaben. Automatisierte Prozesse – wie die Erhebung von Patientendaten oder die Vorauswahl von Diagnosen – können hier unterstützen. So bleibt mehr Zeit für den direkten Kontakt mit den Patientinnen und Patienten, was nicht nur die Versorgung, sondern auch die Zufriedenheit der Fachkräfte verbessern könnte.

Herausforderungen bei der Datenqualität

Mit den Chancen kommen auch Herausforderungen. Ein zentraler Aspekt ist die Datenqualität. Systeme wie KI sind auf verlässliche Daten angewiesen, um sinnvolle Ergebnisse zu liefern. Fehlen Daten oder sind sie fehlerhaft, können auch die besten Technologien keine korrekten Analysen oder Diagnosen bereitstellen. Deshalb ist es essenziell, die Qualität und Vollständigkeit medizinischer Daten sicherzustellen.

Datenschutz als zentrales Thema

Eng damit verknüpft ist die Frage des Datenschutzes. Gesundheitsdaten sind besonders sensibel und müssen sorgfältig geschützt werden. Die sichere Speicherung, Verarbeitung und Weitergabe dieser Daten stellt eine Grundvoraussetzung für das Vertrauen in digitale Technologien dar. Ohne klare Richtlinien und Sicherheitsstandards könnten Patientinnen und Patienten zögern, ihre Daten preiszugeben.

Vertrauen in neue Technologien aufbauen

Abschließend spielt das Vertrauen in digitale Lösungen eine entscheidende Rolle. Viele Menschen – egal ob medizinisches Personal oder Patientinnen und Patienten – sind neuen Technologien gegenüber skeptisch. Diese Unsicherheiten lassen sich durch Transparenz und offene Kommunikation abbauen. Es ist wichtig zu erklären, wie die Technologien funktionieren, welche Vorteile sie bieten und wie sie die Gesundheitsversorgung verbessern können.  

Eine Balance finden

Der digitale Wandel in der Gesundheitswirtschaft ist ein Balanceakt. Es gilt, Fortschritt und Vorsicht miteinander zu verbinden, um eine Gesundheitsversorgung zu schaffen, die effizienter ist und gleichzeitig menschlich bleibt. Mit der richtigen Strategie und einem klaren Fokus auf ethische und technische Standards können alle Beteiligten von den Vorteilen digitaler Technologien profitieren.

Zusammenfassung der Diskussion

Nutzen und Risiken neuer Technologien

Ein wichtiger Diskussionspunkt war die Abwägung zwischen den Vorteilen und potenziellen Risiken der Digitalisierung. Während Technologien wie KI und Big Data die Gesundheitsversorgung effizienter und präziser machen können, bleibt die Sorge bestehen, dass sie den menschlichen Faktor verdrängen könnten. Die Herausforderung liegt darin, innovative Technologien gezielt einzusetzen, um Prozesse zu verbessern, ohne den persönlichen Kontakt zu verlieren.

Die Rolle der Empathie in der Gesundheitsversorgung

Ein weiterer zentraler Aspekt war die Frage, wie sich die persönliche Ebene der Gesundheitsversorgung in einer zunehmend technologisierten Umgebung bewahren lässt. Patientinnen und Patienten wünschen sich nicht nur fachliche Expertise, sondern auch Mitgefühl und Verständnis. Viele Teilnehmende der Diskussion betonten, dass Maschinen zwar viele Aufgaben übernehmen können, aber Empathie und emotionale Unterstützung weiterhin von Menschen kommen müssen.

Co-Creation als Schlüssel für sinnvolle Lösungen

Ein zukunftsorientiertes Thema der Diskussion war die Bedeutung von Co-Creation. Die Zusammenarbeit von Industrie, Forschenden und medizinischem Personal wurde als entscheidend angesehen, um Lösungen zu entwickeln, die in der Praxis funktionieren. Der Austausch von Erfahrungen und Bedürfnissen zwischen allen Beteiligten ist unerlässlich, um Technologien zu schaffen, die den Alltag im Gesundheitswesen wirklich verbessern.

Fazit aus der Diskussion

Die Diskussion zeigte, dass die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft nicht nur technische, sondern auch ethische und soziale Herausforderungen mit sich bringt. Fortschritt sollte stets mit Bedacht eingesetzt werden, um sowohl die Effizienz als auch die Menschlichkeit in der Gesundheitsversorgung zu wahren. Nur durch offene Gespräche und enge Zusammenarbeit können alle Beteiligten von den neuen Möglichkeiten profitieren.

Fazit und Ausblick

Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse

Die Digitalisierung verändert die Gesundheitswirtschaft auf vielfältige Weise. Von präziseren Diagnosen über individualisierte Therapien bis hin zur Entlastung medizinischer Fachkräfte – die vorgestellten Hypothesen zeigen, wie Technologien neue Möglichkeiten schaffen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Herausforderungen wie Datenschutz, Datenqualität und das Vertrauen in technische Lösungen nicht unterschätzt werden dürfen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten ist der Schlüssel, um digitale Technologien erfolgreich und verantwortungsvoll einzusetzen.

Ausblick auf die zukünftige Entwicklung

Die vorgestellten Ansätze lassen erahnen, dass sich die Gesundheitsversorgung in den kommenden Jahren stark verändern wird. Künstliche Intelligenz, Big Data und personalisierte Medizin werden eine immer größere Rolle spielen. Dabei bleibt es entscheidend, den Menschen im Mittelpunkt dieser Entwicklungen zu sehen und Technologien gezielt als Werkzeuge einzusetzen, die den Alltag erleichtern und die medizinische Versorgung verbessern.

Einladung zur Diskussion

Wie sehen Sie die vorgestellten Hypothesen? Welche Chancen und Risiken erkennen Sie in der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft? Teilen Sie Ihre Gedanken und Perspektiven!

Weitere Informationen sowie eine Übersicht aller Vorträge der Veranstaltung „KI im Gesundheitswesen“ finden Sie auf der Veranstaltungsseite:

Teilen:

Veranstaltung

Die Bedeutung der KI im Gesundheitswesen: Demokratisierung, Bürokratieabbau und ein neues Patientenerlebnis
Webcast kostenfrei

Die Bedeutung der KI im Gesundheitswesen: Demokratisierung, Bürokratieabbau und ein neues Patientenerlebnis

Erfahren Sie wie KI das Gesundheitswesen grundlegend verändert und wie HPE und Intel diese Zukunft mitgestalten.

Präsentation

Laden Sie sich hier die Präsentation zum Vortrag von PD Dr. med. Christian Elsner herunter!